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Thema ohne neue Antworten

Pichen

Autor Nachricht
Verfasst am: 09. 01. 08 [12:40]
Ulbrich
Themenersteller
Dabei seit: 28.12.2007
Beiträge: 1
Hallo Martin,

ich finde kaum Informationen zu dem seltenen Namen "Pichen"! So hieß meine Großmutter väterlicherseits und wurde in Schlesien geboren. Ist dort die Herkunft des Namens zu vermuten? Vielleicht kannst Du mir an dieser Stelle weiter helfen mehr über diesen Namen und dessen Bedeutung zu erfahren!

Vielen Dank im Voraus für Deine Bemühungen
Verfasst am: 10. 01. 08 [18:26]
Namiac
Dabei seit: 20.09.2007
Beiträge: 47
Hallo Adam,

hab jetzt mal ein wenig "recherchiert" und bin fündig geworden. Zunächst aber erstmal zur Verbreitung: "Pichen" unter 36 Mio. Telefonbucheinträgen nur 27-mal! Streuung: gleichmäßig verteilt (von Brandenbg. über Niedersachsen, NRW bis Baden-Württemberg) - spricht für eine Zuwanderung! Zumal der Name in Polen eine auffällige Häufung in Schlesien (bei Oppeln und Kattowitz) besitzt, also keine Wunder, dass die Großmutter aus der Region kommt. Historische Belege befinden sich in Olesno und Grodziec (ehem. Friedrichsgrätz), ebenfalls besagter Raum!

Bei der Suche nach einer Etymologie ist es nicht so einfach, denn in keinem (dt.) onomastischen Standardwerk ist der Name aufgrund seiner Seltenheit zu finden. Lediglich bei Hans Bahlow, Deutsches Namenlexikon gibt es einen Hinweis: unter dem FaN "Piche" werden selbiger, Pichmann, Piech, Piecha, Piechnik, Piechaczek und PICHAN als Varianten zur slawischen Koseform "Pech", welcher aus Peter (also "kleiner Peter") entstanden ist, behandelt. Alle diese Formen sind weitgehend ähnlich wie Pichen gestreut und ein lautlicher Unterschied zw. Pichan und Pichen besteht kaum.
Das einzige Buch, in dem der Name auftaucht ist das polnische Standardwerk K. Rymut, Nazwiska Polaków, Bd. 1-2, Kraków 1999-2001, Seite 229. Erstaunlich ist aber, dass der Autor hier nicht von Peter ausgeht, sondern den Namen zu Ableitungen von Pich wie z.B. Pichal, Pichan, Piche, PICHEN und Picheń stellt!
Hier liegt ein polnisches Verb "pchać" zugrunde, welches "schieben", im Sinne von "etwas vor sich her schieben", wie Wagen, Schubkarren oder generell Lasten bedeutet. Hier dann als BerufsN (vgl. dt. FaN "Schieber") zu verstehen.

Beide Versionen sind denkbar, aufgrund der Tatsache, dass er explizit von Rymut untersucht wurde, muss man eher von letzterer Deutung ausgehen.


MfG
Martin