Genevolu: Artikel: „Zopp“ kein Zopfträger

Artikel: „Zopp“ kein Zopfträger

Kategorie: Herkunftsnamen

„Zopp“ kein Zopfträger, Fluss-Siedler überaus sesshaft

Der Rhein bei Köln

Die Bedeutungen von Namen beschäftigen uns im Alltag wohl eher am Rande, bei Nachnamen wie Müller, Schmidt oder Richter ist es wohl auch nicht die schwierigste Aufgabe, ein Benennungsmotiv zu erschließen. Bei aber gut einer Million verschiedener Familiennamen in Deutschland ist es erwartungsgemäß nicht immer derart unkompliziert. Oftmals können mehrere Ursachen für die Entstehung eines Namens in Frage kommen wie z.B. beim Zunamen „Blume“ - hier sind die Anlässe, die zu einer Vergabe dieses Namens geführt haben können sehr vielfältig:

So kann es sich um einen Übernamen (beschreibt die Person)  für jemanden, der auffällige Verzierungen in Blumenform an seiner Kleidung trug handeln; oder einen Hausnamen: Als Hauszeichen war die Blume außerordentlich beliebt, deren Bewohner wurden mit Vorliebe so benannt; sowie als Berufsübername für den Blumengärtner aber auch ein Herkunftsname zum Ortsnamen Blume in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen kann namengebend gewesen sein.

Aufschluss kann in solchen Fällen eine Verbreitungskarte geben, jedoch können aufgrund der Fülle dieses weit verbreiteten Namens (knapp 5000 Telefonbucheinträge) leider keine eindeutigen Hinweise gegeben werden.

Anders verhält es sich beim Familiennamen Zopp. Hier sind drei Benennungsmotive denkbar: entweder es handelt sich um eine mitteldeutsche Form von „Zopf“ als Übername für die Haartracht, welche im Mittelalter bei Männern nicht unüblich war; eine Verbindung zu einem mittelhochdeutschen Wort „Zoppen“ für jemand, der gern diesen „Springtanz“ ausübte oder um einen Herkunftsnamen zu einem Ort in Nordrhein-Westfalen.

Welche Deutung hier am ehesten zutrifft kann uns die Karte verraten: in einer Telefon-CD von 1998 ist der Name 113 mal bezeugt (hier grün dargestellt) – zusätzlich wurden 73 historische Belege (beginnend Ende des 16. Jh., rot abgebildet) integriert, die ein genaueres Bild über die Herkunft geben sollen. Und siehe da: deutlich wird eine Häufung in der Aachener Gegend; tatsächlich befindet sich in direkter Umgebung der Ort „Zopp“, ein Ortsteil von Alsdorf - demnach ist es die letztere Deutung, die für die Mehrheit der Namenträger am wahrscheinlichsten für den Ursprung in Frage kommt.

Wer hätte gedacht, dass sich mit Namenforschung auch Siedlungsgeschichte nachweisen lässt.

Unter Experten ist dies schon lange kein Geheimnis mehr, sind es doch die Namen, die seit dem Zeitpunkt ihrer Entstehung im Gegensatz zu unserem Sprachschatz meist unverändert blieben. So verwundert es den Namenforscher auch nicht, wenn die Kartierung der Namen „Rheinfrank“ und „Saalfrank“ folgendes Bild ergibt:

 
Etymologisch handelt es sich bei dem ersten Namenträger um einen am Rhein bzw. an der Saale wohnenden Franken. Ein Blick auf die Karten sagt uns: „quod erat demonstrandum“ (was zu beweisen war)! Sowohl neuere als auch historische Belege zeigen auffällige Konzentrationen in unmittelbarer Nähe der jeweiligen Flussläufe.

Erstaunlich dabei ist die Sesshaftigkeit dieser Vorfahren: Vertreter von Saalfrank leben noch heute vermehrt in Oberfranken - genau in der Region, wo die Saale entspringt.

Ebenfalls bemerkenswert ist die Tatsache, dass der fränkische Siedler am Rhein im Unterschied zu seinem Pendant an der Saale historisch fast doppelt so oft bezeugt ist als in der Neuzeit. Es wird nicht zuletzt der Schönheit des Mittelrheins mit Hunsrück und Taunus zuzuschreiben sein, warum jene Sippschaft an dieser Stelle vergleichsweise dauerhaft verharrte. Wer will es den Franken verdenken.

 


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